Herbsttour im Karwendel vom 18. – 20.09.2026
Als Wanderwart Fabian Baur die Abfahrt am Freitag um 5 Uhr – also noch mitten in der Nacht – anberaumte, machten einige der Teilnehmer lange Gesichter, mancher war gar schockiert. Aber es galt tatsächlich das Sprichwort: der frühe Vogel fängt den Wurm, bzw. umgemünzt auf die Herbsttour: der frühe Bergsteiger schafft den Klettersteig und den Gipfel. Trotz der recht frühen Abfahrt hatten wir keine Zeit zum Trödeln. Ein kurzes Frühstück in Nassereith und weiter bis zum Startplatz Hochzirl bei Innsbruck. 2,5 Stunden bis zum Solsteinhaus waren angegeben. Auch hier gönnten wir uns keine Trödelei. Nach 2 ¼ Stunden bezogen wir dort oben in der Schutzhütte der Sektion Innsbruck des Österreichischen Alpenvereins in 1806 m am Erlsattel zwischen Nordkette und Erlspitzgruppe schnell Quartier. Nach Stärkung mit Nudelsuppe und Spaghetti ging´s gegen Mittag in Richtung Erlspitze (2406 m), die wir in aufkommendem Nebel über den Klettersteig in ca. 4 Stunden erreichten. Die Sicht dort oben war bescheiden, aber wenigsten regnete es nicht, denn leichter Regen war vorhergesagt. Beim Abstieg in Richtung Hütte verzog sich der Nebel und die herrliche Bergwelt des Karwendel tat sich vor uns auf, und ließ uns erwartungsvoll auf den nächsten Tag blicken.
Dieser begrüßte uns dann mit makellosem sonnigem Wetter (es sollte auch am Sonntag so bleiben), als wir in Richtung Großer Solstein (2540 m) losmarschierten. Wir verweilten nicht lange auf dem Gipfel, denn das Tagesziel war der Kleine Solstein (2636 m). Ja, richtig! Das ist kein Schreibfehler oder eine Verwechslung! Wir konnten nicht in Erfahrung bringen warum, aber tatsächlich ist der Kleine Solstein höher als der große! Die Frage warum sollte uns nicht allzu sehr beschäftigen. Tatsache ist, dass die Besteigung des Kleinen Solstein mit seinen ausgesetzten Schluchten und seinem einmaligen Gipfelgrat ein Bergerlebnis der besonderen Art war. Und überdies belohnte uns auf dem Gipfel ein Rundumblick, der die Herzen höherschlagen ließ. Nach einem sehr steilen und verblockten Abstieg zur neuen Magdeburger Hütte (1633 m) wurden wir mit Kuchen, Bier und anderen Getränken verwöhnt, bevor die letzte abendliche Etappe zurück zum Solsteinhaus bewältigt wurde.
Wer dachte, nach diesen zwei Tagen doch recht anspruchsvoller Touren, man könnte vielleicht am Sonntag etwas länger liegen bleiben und gemütlich frühstücken, der sollte sich täuschen. Wanderwart Baur legte die Abmarschzeit auf 8 Uhr fest. Durchaus verständlich, denn der letzte Tag beinhaltete auch noch einmal ein volles Programm. Nach knapp zwei Stunden Abstieg ging es mit den Autos nach Seefeld. Dort mit der Schrägbahn hoch zur Mittelstation. Nach einem ca. 30-minütigen Marsch standen wir am Einstieg des Panorama Klettersteigs, der teilweise in der Senkrechten hinauf zur Seefelder Spitze (2221 m) führt. Der Name des Klettersteigs macht ihm alle Ehre, die Ausblicke in der Tour und dann auf dem Gipfel waren atemberaubend.
Eine einzigartige Herbsttour in herrlicher Bergwelt näherte sich dem Ende. Mit straffem Programm bis zum Ende. Es wurde noch knapp. Wir schafften es gerade noch rechtzeitig im Restaurant Ochsen in Merklingen kurz vor 20 Uhr die letzte Bestellung zu tätigen.
Helmut Meyer
Das Bild zeigt die Teilnehmer auf dem Großen Solstein (2540 m)