Traditioneller Radausflug ans Stilfserjoch vom 28. bis 30.08.2026
Für uns jährt sich jetzt die Ausfahrt nach Prad am Stilfserjoch schon zum 20ten Mal.
Nicht ohne Grund, denn das Vinschgau und die Auffahrt auf der legendären Passstraße am autofreien Samstag sind schon etwas ganz Besonderes. Aber davon später. Zunächst war da ja der Freitag. Frühmorgens um 8 ließen wir uns auf den Ofenpass (2149 m) shutteln. Von dort ging es über die Alpe Mora ins Val Mora, eines der schönsten Täler der Alpen, dann entlang der Fraele Seen und weiter über alte Militärwege des ersten Weltkrieges hoch hinauf zum Bocchetta di Forcola (2768 m). Ab diesem Joch begann eine Genussabfahrt, die das Herz eines jeden Mountainbikers höherschlagen lässt, hinab auf den Umbrailpass (2501 m). Das Wetter war bis dahin ganz gut, doch von Westen her zogen bedrohliche dunkle Wolken heran. Unser Wetterfrosch, A-Witsch Kiehlneker, mit seiner – laut eigener Aussage – unfehlbaren WetterApp „Meteo Swiss, des isch s´Beschte, was geit, des stemmt emmer!“, meinte, mit etwas Glück würde man es trockenen Fußes bis zum Stilfserjoch (2757 m) packen. Denn laut Meteo Swiss sollte der Starkregen um 18 Uhr beginnen. Wir hatten also noch 30 Minuten. Leider waren wir zu langsam. Auf den letzten Metern erwischte uns der Platzregen und wir retteten uns in ein dortiges Restaurant. Das Weizen müsse schnell getrunken werden, meinte der Wetter-Mann, denn in 15 Minuten habe man ein Regen freies Fenster von gut 40 Minuten. Eilends – ohne große Mühe – wurden die Gläser geleert. Wir traden in die Pedale, um bei beginnender Dämmerung die ca. 25 km bis Prad zügig zu bewältigen. Die rasante Abfahrt ging dann auch recht flugs, doch leider behielt Meteo Swiss nicht Recht, so dass wir im Wolkenbruch, nass bis auf die Haut, nach 75 zurückgelegten Kilometern und 2000 Höhenmetern schließlich in unserem Hotel Astoria in Prad ankamen.
Es glich einer Völkerwanderung auf Rädern. In Strömen radelten sie los von Prad am Samstag, mit Rennrädern, E-Bikes, Enduros, Einrädern, Klapprädern, Sommer-Skiskatern und sonstigen exotischen Gefährten. Wie schon eingangs erwähnt, plagen wir uns jetzt bereits zum 20sten Mal da hoch auf das Stilfserjoch. Es ist beschwerlich, doch wenn man mal oben ist, auf der Terrasse der Tibet- oder Garibaldi-Hütte, ist man mit sich zufrieden. Dieses Jahr konnte der Veranstalter einen Rekord verbuchen. 11500 pedalierten hoch von Prad, 6000 von Bormio und 500 über den Umbrailpass von Santa. Maria. Turbo-Manne Henle war mit 71 Jahren unser ältester Teilnehmer und einer der wenigen, die richtig Spaß an der Sache hatten: „Des war wieder super! I war garet ferdig oba!“ Wohlgemerkt, Turbo-Manne hat mit eigener Muskelkraft die 1800 Höhenmeter am Stück bewältigt. Aber er war bei weitem nicht der älteste. Es gab jene sogar weit jenseits der 80! Nach dem Essen auf der Tibet-Hütte mussten wir unsere Bikes knapp 90 Höhenmeter auf die Dreisprachenspitze (2845 m) schieben, bevor es in den Goldsee-Weg ging, der noch heute zu den 10 schönsten Mountainbike-Wegen der Welt zählt. Dieser Weg ist anspruchsvoll und sehr lang. Und gegen Ende mündet er in den 11er Weg, der uns kurz vor Einbruch der Dunkelheit nach 52 Kilometern und 2400 Höhenmetern zurück nach Prad brachte.
Helmut Meyer