08.02.2012 //
Wahre Helden
Wahre Helden

Es gibt so Tage an denen sich die Spreu vom Weizen trennt - an denen klar wird, wer zu „den Guten“ gehört und wer zu „den Anderen“. Ein solcher war vorhergesagt für die diesjährige „Freitag-Frei“ Ausfahrt mit Höchsttemperaturen mittags in Riezlern von -15 Grad – zu den Werten oben an der Kanzelwand gab es zum Glück erst gar keine Aussage. Viele hatten insgeheim gehofft, dass bei so einer Prognose die Sache doch sicher abgesagt würde. Wer aber schon mal dabei gewesen war, und das waren viele, der kannte die Reiseleitung und ihren Spruch „ Ihr seid hier doch nicht zum Vergnügen“. Man fügte sich also brav in sein Schicksal, zog noch ein, zwei, drei Lagen darunter und hoffte darauf, dass alles schon nicht so schlimm werden würde. Immerhin war man ja bei den Privilegierten, die einen Platz im proppenvollen Bus ergattert hatten.
Von einer leichten Brise Fatalismus umweht, fuhr der Bus nahezu pünktlich um 6:00 Uhr ab und nachdem die Brezeln für das Sektfrühstück am Allgäuer Tor an Bord waren, stieg die kollektive Laune gleich beträchtlich. Diese wurde zusätzlich durch das Wissen gefördert, dass für wirklich alle Lebenslagen jemand an Bord war: ein Arzt, ein Apotheker, ein Metzger.
Es konnte uns also rein gar nichts passieren.
Oben am Berg dann, bei minus 17,2 Grad und Windstille stellten sich alle Befürchtungen als maßlos übertrieben heraus. Die Luft glitzerte wunderschön vor lauter Eiskristallen, die Pisten waren traumhaft und es gab erwartungsgemäß keine Wartezeiten. Dazu „betreutes Fahren“ mit Carvingkurs, Mittagessen mit der 250-Gramm-Leberkäs-Diät und der beliebte Ausklang an Riezlerns Schirmbar oder im gegenüberliegenden Café – jeder wie er möchte. Und auch der Schirmbaraufenthalt förderte wie jedes Jahr Wissenswertes zu Tage: Zum Beispiel dass es außer dem „Bärbele“ auch ein „Dergele“ gibt. Für unsere Mitbürger mit hochdeutschem Migrationshintergrund sei erklärt – ein „Dergele“ ist laut dem Mössinger Heimatverein wie folgt definiert : > A Dergel ist ein kleines Kind. Das Wort ist abgeleitet von torkeln. Das kann nun ein goldicher Dergl oder ein oigasenniger (eigensinniger) Dergl sein. Die Verniedlichung Dergele gibt es natürlich auch, beim Gebrauch des Wortes schwingt aber immer ein gewisser Stolz über das Kind mit.< Die Trägerin des Namens war eigentlich froh gewesen, dass dieser bis zu dem Tag fast völlig aus dem Neuffener Kollektiv-Gedächtnis verschwunden war.
Auf der wie immer fast pünktlich angetretenen Heimreise hatten die Ehepaare Richter (Wurst + Käse schneiden) und Schneider (Brotkörbe + Service) die anstrengendsten Plätze vorne im Catering-Bereich erwischt. Das Bier war erst mal ein wenig kristallin ("Des muaß ma ja schloza") und nach kleiner Salsa- Einlage kam man langsam zurück ins schwäbische Kernland. Berthold Schall sprach das Wort zum Samstag, die Reiseleitung wies wie immer darauf hin, dass es nicht nur EIN Paar schwarze Skischuhe gibt und prompt wurden diesmal nicht schwarze Skischuhe sondern schwarze Skier gesucht.
2 Tage später löste sich auch dieses Rätsel: Das „Bärbele“ hatte seine neuen Skier noch nicht so ganz optisch auf der Reihe und die „Falschen“ erwiesen sich dann doch als die richtigen.
Wider Erwarten haben also alle überlebt, und so ein bisschen stolz war man insgeheim ja schon zu „den Guten“ zu gehören.
sw